28.08.04

Schwäbisches Tagblatt

 

Tierliebe ist wetterfest

Bei Skjöld im Stall, mit Balu im Regen und in Zoras Reich:
Unterwegs mit Tiersitterin Ilona Deischle

 

MÖSSINGEN (kal).
Urlaub ist eine feine Sache. Aber jeder Tierbesitzer stand sicher schon einmal vor dem Problem, keine Unterkunft- und Versorgungsmöglichkeit für den vierbeinigen Anhang zu finden. Ilona Deischle aus Bästenhardt hat sich dies zur Aufgabe und ihr Hobby zum Beruf gemacht.

 

Wenn man so gut umsorgt wird wie hier das Fjordpferd Skjöld von der Mössinger Tiersitterin Ilona Deischle, kann man seine Besitzer getrost in den Urlaub fahren lassen. Bild: Franke  

 

Jodie schlägt an. Recht so, denn ein Hund soll im Idealfall sein Haus, oder eben das seines Besitzers, verteidigen. Ilona Deischles vierjährige Australian Shepherd-Hündin jedenfalls macht dies schon ganz ordentlich. Jodie und die beiden Katzen sind zugleich auch der Grund, warum sich die in Bästenhardt lebende gelernte Schneiderin und ehemalige Vertriebsinnendienst-Mitarbeiterin vor vier Monaten mit Gewerbeschein als Tier- und Haussitterin selbstständig gemacht hat. Im letzten Jahr wollte sie mit ihrem Mann und Sohn Niklas, drei Jahre alt, verreisen. Für die Unterkunft des Hundes war gesorgt, doch ihre Katzen konnte Ilona Deischle erst nach langer Suche gut untergebracht wissen.

 

Aus eigener Erfahrung

 

In der Annahme, dass dies sicherlich auch noch anderen Urlaubern oder beruflich sehr Beschäftigten so gehe, gründete sie ihren Tier- und Haussitter-Service. Für Vier- und Zweibeiner hatte Ilona Deischle schon immer eine Schwäche: Begonnen hat alles im Kindesalter mit einem Meerschweinchen. Hasen, Zwergpapageien und ein Haflinger folgten, der jedoch im letzten Jahr altersbedingt eingeschläfert werden musste. Viele schöne Jahre habe sie mit ihm gehabt, so Ilona Deischle. Und wenn es nach ihr ginge, hätte sie wahrscheinlich schon ein neues Pferd und einen ganzen Zoo zuhause. Aber die Kapazitäten sind eben begrenzt. Was liegt da näher, als sich beruflich an seinem Hobby zu orientieren und so „seine Tierliebe auszuleben, ohne Verpflichtungen für eigene Tiere zu haben“. Noch dazu, wenn man mit dieser Beschäftigung so flexibel ist – Sohn Niklas wird einfach mitgenommen. Denn sowohl was ihre Tiere, aber vor allem ihre Familie betrifft, „soll keiner auf der Strecke bleiben“, so Deischle.

 

Skjölds Hufe warten nicht

 

Derzeit muss sich die Tiersitterin um ein Pferd, einen Hund und zwei Katzen kümmern. Erste Station auf ihrer täglichen Tour ist heute Skjöld, ein 17-jähriger Norwegerwallach, der sein Zuhause auf dem Steinlachhof bei Nehren hat. Pächterin Gabi Schmid beherbergt dort elf Pensionspferde sowie weitere neun aus ihrer Zucht, alle in Offenstallhaltung. Außerdem kreuzen bei der Ankunft auf dem Hof Gänse, Hühner, zwei Hängebauchschweine und ein kleines Shettland-Pony den Weg, die sich dort frei bewegen dürfen.

 

Es regnet. Und das nicht wenig. Skjöld muss von der Koppel geholt werden. Diese sieht aus, wie eine Koppel bei Regen eben aussieht. Matschig. „Pingelig darf man nicht sein“, sagt Ilona Deischle. Schon gar nicht, wenn es daran geht, das Pferd zu putzen, sich um die notwendige Hufpflege zu kümmern und seine Box auszumisten.

 

Augensalbe nicht vergessen

 

Denn auch das gehört dazu. Aber auch das regelmäßige Bewegen des Norwegers, denn sonst würde der ohnehin nicht gerade dürre Wallach noch ein bißchen dicker werden. Deshalb wird er von Ilona Deischle, die bereits im Alter von sechs Jahren begonnen hat, Reitunterricht zu nehmen, zusätzlich dreimal pro Woche geritten, solange sich seine Besitzer noch im Spanienurlaub befinden. Nachdem Skjöld noch seine Augensalbe verabreicht bekommen hat und zurück auf die Koppel gebracht worden ist, geht es weiter nach Tübingen. Dort wartet der nächste Vierbeiner auf seinen Auslauf.

 


Der vierjährige Jagdhund Balu kommt ein bisschen verschlafen aus einem der Zimmer getappt, als Ilona Deischle ihn in der Wohnung seiner Besitzer abholt und zu ihrem eigenen Hund ins Auto lädt. Doch kaum geht es Richtung Schwärzlocher Tal, fangen beide an zu jaulen. Sie wissen, es darf gleich gerannt und getobt werden. Balus Besitzer sind beruflich sehr ausgelastet. Deshalb übernimmt die Tiersitterin seinen Auslauf. Zusammen mit Jodie rennt er den Weg entlang, spielt, läuft erst schneller, dann langsamer, hält an und streckt den Kopf hoch in den strömenden Regen. „Er hat etwas in der Nase“, sagt Ilona Deischle und meint damit, dass der Jagdhund irgendetwas gewittert hat.

 

Balu, hier“, ertönt sofort das Kommando. Und der Gerufene gehorcht aufs Wort, kommt sofort zurück zu seinem „Ersatz-Frauchen“ getrabt. Anfangs dauere es normalerweise ein bisschen, bis sich die Hunde an die Kommandos von fremden Leuten gewöhnen würden, aber bei Balu sei dies ziemlich schnell gegangen, so Deischle.

 

Nach einer halben Stunde ist der Auslauf für heute beendet und Balu klatschnass. Aber ein Hund fragt nicht nach dem Wetter, auch bei strömendem Regen will gerannt werden. Nach einem kurzen Trockenrubbeln wird er zurückgebracht. Es warten ja noch Leo und Zora auf ihr Futter. Ihre Besitzerin ist im Urlaub und hat Ilona Deischle ihre beiden Hauskatzen anvertraut.

 

Flecken auf dem Teppich

 

Als diese die Wohnung betritt, entdeckt sie gleich zwei dunkle Flecken auf dem weißen Teppich: „Da hat wohl jemand Durchfall.“ Vorsichtig schleicht sich der schwarze Kater Leo die Wendeltreppe herunter, wird gleich untersucht und als gesund, wenn auch zu dick empfunden. Deshalb hat Ilona Deischle mit seiner Besitzerin schon im Vorfeld Rücksprache wegen seiner Fütterung gehalten. Denn bei „falsch verstandener Tierliebe“ gibt sie auch –angemessene – Ratschläge. Zora ist noch ein bisschen scheu. Aber vor allem auch „traurig, dass ihr Frauchen weg ist“.

 

Hygiene ist das A und O

 

Nur langsam traut sich die Katze mit dem roten Fell zu ihrem Futternapf. Auch sie wird von ihrer Pflegerin inspiziert, und dem Geruch nach für die Flecken auf dem Teppich verantwortlich gemacht. Sollte dieses Problem noch einmal auftauchen, ist es für Deischle selbstverständlich, einen Tierarzt aufzusuchen. Bevor sie die Wohnung wieder verlässt, reinigt sie noch das Katzenklo. Hygiene ist das A und O bei ihrer Arbeit. Noch ein kurzer Kontrollgang, und für den heutigen Tag sind alle Vierbeiner versorgt.

 

An ihrem Beruf liebt die junge Frau aus Mössingen besonders, dass sie auf der einen Seite immer mit neuen Tieren zu tun hat, aber zugleich auch ständig im Kontakt mit Menschen ist, so Deischle. Gerne gibt sie auch Ratschläge, was die Haltung betrifft, beispielsweise, wenn die Tiere sichtlich ein paar Kilos zuviel auf den Rippen haben. „Ich freue mich, wenn ich sehe, dass ich was bewirke.“

 

Würde ein Tier aber unter wirklich schlechten und unwürdigen Bedingungen gehalten werden, würde sie auch einschreiten. Das kam aber zum Glück bisher nicht vor. Überhaupt kann Ilona Deischle, die sich ihren Kundenstamm über die Kooperation mit Tierärzten und Tierheimen aufgebaut hat, keine negativen Seiten an ihrem Beruf ausmachen. Denn ihre Tätigkeit als Tiersitterin gibt ihr durchweg „ein gutes Gefühl“.